Die Möglichkeiten bei Geldanlagen sind heutzutage in ihrer Vielfalt kaum überschaubar und für den Anfänger verwirrend. Dieser kleine Leitfaden soll dazu dienen, einige wichtige Anlageformen mit ihren Chancen und Risiken zu erläutern.
TAGESGELDKONTO
Eine höhere Rendite als Sparkonten bei vergleichbar einfacher Handhabung bietet das Tagesgeldkonto. Die Bezeichnung "Tagesgeld" deutet darauf hin, dass das Geld täglich verfügbar ist; allerdings darf die Bank theoretisch auch täglich den Zinssatz ändern, in der Praxis erfolgen Anpassungen der Zinssätze aber bedeutend seltener. Die Zinsen sind fast immer höher als für Sparkonten und bewegen sich nicht selten bei 4% oder mehr. Allerdings ist darauf zu achten, dass hohe Zinssätze nicht selten nur für Neukunden und kurzfristig gewährt werden.
Vorteile:
- einfache Handhabung, flexible Einzahlung (vergleichbar mit Sparkonten) bei deutlich besserer Rendite
- Geld täglich verfügbar, keine Kündigung erforderlich
Nachteile:
- sorgfältige Auswahl erforderlich um nicht auf kurzfristige Lockangebote o.ä. reinzufallen
- überwiegend von Direktbanken angeboten, die nur Online- und Telefon-Banking anbieten (dafür günstig und meist keine Kontoführungsgebühren)
FESTGELDKONTO
Der Tipp unter den Geldanlagen, da hier mind. 5 % Rendite erzielt werden und das garantiert. Das Festgeldkonto bietet natürlich höhere Zinssätze als Tagesgeldkonten, bei denen eine vorher festgelegte Summe für einen bestimmten Zeitraum (meist zwischen 6 Monaten und fünf Jahren) fest angelegt wird. Der Zinssatz wird dabei für die gesamte Anlagedauer, unabhängig von der sonstigen Zinsentwicklung, garantiert und wächst mit steigender Anlagedauer. Eine Verfügung ist i.d.R. nicht vor Ablauf der festgelegten Anlagedauer möglich.
Vorteile:
- Bessere Rendite als beim Tagesgeldkonto (bei längerer Anlagedauer Zinssätze von ca. 5% pro Jahr möglich)
- Zinssicherheit für gesamte Anlagedauer, unabhängig von allgemeiner Zinsentwicklung
Nachteile:
- Verfügung vor Ablauf der fixen Anlagedauer i.d.R. unmöglich, daher nur für Geldsummen, die langfristig entbehrlich sind, geeignet
- meist recht hohe Mindestanlagesumme
WERTPAPIERE
Die höchsten Gewinnchancen, aber auch die höchsten Verlustrisiken, bieten Wertpapiere. Die Fülle handelbarer Wertpapiere ist immens und kann hier nicht umfassend behandelt werden. Die wichtigsten Arten von Wertpapieren sind:
ANLEIHEN: Anleihen (Renten,Bonds) sind Schuldverschreibungen, d.h. durch ihren Erwerb wird man zum Gläubiger des Emittenten (Staat, Unternehmen etc.), der sich vom Anleger Geld leiht, das er mit Zinsen (fest oder variabel) zurückzahlen muss. In Bezug auf Ausstattung und Laufzeit sind Anleihen äußerst variabel, Details müssen der Produktbeschreibung entnommen werden. Anleihen gelten als eher konservative Wertpapiere mit geringen Risiken (z.B. Konkurs des Emittenten), aber auch vergleichsweise niedrigen Renditeerwartungen.
FONDS: Höhere Renditechancen bietet der Erwerb von Anteilsscheinen an Fonds, die ihrerseits in eine Auswahl von Wertpapieren investieren. Je nach Risikobereitschaft und Renditeerwartung kann man zwischen einer Vielzahl von Fonds auswählen, die sich in der Art der investierten Wertpapiere unterscheiden (z.B. überwiegend Anleihen oder Aktien) investieren. Durch die Streuung in viele verschiedene Wertpapiere bieten Fonds langfristig gesehen oft eine hohe Rendite bei vergleichsweise moderaten Verlustrisiken.
AKTIEN, OPTIONSSCHEINE etc.: Bei dieser Geldanlage handelt es sich um spekulative Anlageformen, die hohe Renditechancen, aber auch hohe Risiken bergen und nur für fortgeschrittene Anleger mit guten Börsenkenntnissen geeignet sind. Mit Aktien erwirbt man Anteile am jeweiligen Unternehmen und partizipiert durch Kursgewinne und evtl. Dividenden am wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens. Optionsscheine, Zertifikate etc. sind sehr vielfältig und komplex und nur für sehr erfahrene Anleger geeignet.
Vorteile:
- Höchste Renditechancen
- flexibel, schnelle Verfügbarkeit des Geldes
- Spekulationsgewinne werden nicht besteuert, wenn Wertpapier mind. 12 Monate gehalten wurde (Achtung: Ändert sich ab 01.01.2009!)
Nachteile:
- teilweise immenses Verlustrisiko
- komplexe Handhabung, Kenntnisse des Börsenhandels und grundlegendes Verständnis von Finanzmärkten wichtig
SPARBUCH/-KONTO
Der "Klassiker" unter den Geldanlagen ist nach wie vor das Sparbuch. Die hohe Akzeptanz ist dabei eher psychologisch als wirtschaftlich zu begründen, denn von allen Anlageformen bietet ein Sparbuch i.d.R. die geringste Rendite. Die üblichen Zinssätze von 1-2% können oft nicht die Inflationsrate kompensieren, so dass effektiv keine Rendite erzielt und sogar Geld verloren wird.
Vorteile:
- höchste Sicherheit, praktisch kein Verlustrisiko
- flexible Einzahlung, regelmäßig kleine Summen oder einen großen Betrag auf einmal
- einfach zu handhaben, keine Kenntnisse des Finanzmarktes erforderlich
Nachteile:
- geringster Zinssatz, wegen Inflation meist keine Rendite
- Geld nur in gewissem Rahmen ständig verfügbar, bei Verfügung über größere Summen muss Sparkonto meist gekündigt werden (Kündigungsfrist!)
Geldanlagen über Kredit Vergabe
Bei Geldverleih Portalen wie smava.de kann man Leuten einen Kredit geben und bekommt so hohe monatliche Zinsen, die bis zu 14 % betragen können. Dieser Markt ist noch neu, aber wird schon von vielen Anlegern sehr gut aufgenommen.
FREISTELLUNGSAUFTRAG
Zum Abschluss soll noch auf die Möglichkeit eines Freistellungsauftrags hingewiesen werden, auf dem man keinesfalls verzichten sollte. Ohne einen solchen Auftrag werden auf alle Zinserträge automatisch 30% Abschlagsteuer und 5,5% Solidaritätszuschlag erhoben. Mit einem Freistellungsauftrag kann man Zinserträge bis zu einem frei wählbaren Betrag unterhalb des gesetzlichen Sparerfreibetrags (801 €/1602€ für Ledige/Verheiratete) davor schützen. Man muss bei jedem Kreditinstitut, bei dem Zinserträge erwartet werden, separat einen Auftrag stellen, was i.d.R. kostenfrei und mit geringem Aufwand möglich ist. Dabei ist genau darauf zu achten, dass die Summe aller Freibeträge den gesetzlichen Maximalbetrag nicht überschreiten darf.